Aktuelles // Interview mit OB Dr. Hammer und Bürgermeister Ultsch

1988, vor 31 Jahren, gab es im Landkreis Ansbach bereits eine Landesgartenschau – in Dinkelsbühl. Dr. Christoph Hammer ist seit 2003 Oberbürgermeister von Dinkelsbühl und profitiert bis heute von den Auswirkungen dieses Großevents. Er berichtet im Interview darüber, welche Entwicklung Dinkelsbühl durchlaufen hat. Stefan Ultsch, Bürgermeister von Wassertrüdingen hingegen, erläutert, was er sich für Wassertrüdingen nach der Gartenschau erhofft.

Herr Dr. Hammer, Sie sind ja „erst“ seit 2003 Bürgermeister von Dinkelsbühl. Sie haben also die Gartenschau nicht live miterlebt?

Dr. Christoph Hammer: Ich habe die Gartenschau Umsetzung und Aktivitäten nicht aktiv als Bürgermeister miterlebt, hatte aber den großen Vorteil, dass ich als Bürgermeister von den Konsequenzen und positiven Entwicklungen dieser Landesgartenschau profitieren konnte.

Wie standen die Bewohner zu der Gartenschau vor 30 Jahren in Dinkelsbühl?

Dr. Hammer: Die Gartenschau in Dinkelsbühl war nicht unumstritten. In der 18-jährigen Amtszeit von Bürgermeister Jürgen Walchshöfer war nicht nur die Bewerbung um die Gartenschau, sondern auch die Umsetzung und Ausführung. Im Wahlkampf mit seinem Nachfolger Otto Sparrer wurde die Gartenschau als „Fehler“ bezeichnet, da sie so viel Geld gekostet hat. Ich finde das merkwürdig, dass man überhaupt darüber diskutieren musste, ob die Landesgartenschau gut für Dinkelsbühl war – denn sie war ein absoluter Gewinn.

Also finden Sie Herr Walchshöfer hat damals richtig entschieden?

Dr. Hammer: Absolut. Unter dem Herrn Walchshöfer gab es mehrere wichtige Entscheidungen für Dinkelsbühl: Die erste war, dass damals TE Connectivity in Sinbronn angesiedelt hat. Das ist mittlerweile mit über 500 Mitarbeitern unser größter Arbeitgeber. Die zweite, und wahrscheinlich für die städtebauliche Entwicklung wichtigste Entscheidung war, dass er die Landesgartenschau hier umgesetzt hat. Er hat damit ganz wesentliche Bausteine gesetzt hat, um diese Stadt zu verändern.

Ist das normal, dass Gartenschauen so viel in der Stadt verändern?

Dr. Hammer: Landesgartenschauen sind immer städtebauliche Entwicklungsschritte. Die Dinkelsbühler Gartenschau war zudem die erste ihrer Art, die von einer „Blümchenschau“ weggegangen ist, und die Diskussion ausgelöst hat, dass man den Städten für diesen Aufwand auch einen Mehrwert bieten muss.

Wie hat Dinkelsbühl denn dann profitiert?

Dr. Hammer: Es wurde der alte Bauhof ausgelagert, das Schulareal und Stadtgebiet neu begrünt, der Ring um die Altstadt wurde freigemacht, ein Naherholungsgebiet mit dem Stadtpark wurde geschaffen und das neue Baugebiet „Königshain“ entwickelt. Ohne die Förderungen der Gartenschau, hätte sich Dinkelsbühl nie in dieser Art und Weise entwickeln können.

Was wäre gewesen, wenn die Gartenschau nicht gekommen wäre?

Dr. Hammer: Wäre das Wohngebiet „Königshain“ nicht entwickelt worden, hätten wir heute auch das Gebiet „Gaisfeld“ nicht, in das bald, wenn der vierte Bauabschnitt besiegelt ist, rund 2000 neue Menschen einziehen können. Wer weiß, ob das Gymnasium erweitert hätte, wenn im Zuge der Gartenschau nicht der Campus erweitert worden wäre. Wäre der alte Bauhof, der damals noch in der Stadt lag, nicht für die Gartenschau ausgelagert worden, hätten wir dies 10 oder 15 Jahre später mit immensen Investitionen selbst schultern müssen.

Merkt man die Gartenschau und ihre Veränderungen auch noch mental bei der Bevölkerung?

Dr. Hammer: Viele der Dinkelsbühler haben sich an den Führungen beteiligt. So hat jeder noch seine eigene Geschichte von damals, die in Verbindung mit der Gartenschau steht. Sie hat die Bekanntheit der Stadt, aber auch das Selbstwertgefühl der Bürger erheblich gesteigert. Der Stolz so ein Projekt geschafft zu haben, schweißt eine Gemeinschaft zusammen.

Wie war denn ihr erster Eindruck, Herr Ultsch, von der Gartenschau noch bevor Sie hier im November Bürgermeister geworden sind?

Stefan Ultsch: Ich war das erste Mal am 11. September hier in Wassertrüdingen und war gleich am darauffolgenden Wochenende bei einer Veranstaltung im Sonnenuhrenpark. Natürlich hat mich das begeistert, dass hier so etwas Schönes schon mitten in der Stadt geschaffen wurde. Schon eine Woche später war dann auch schon das Baustellenfest der Gartenschau. Ich war also sofort damit konfrontiert, habe dann auch die Pläne bald gesehen und war – obwohl ich vorher nichts mit Gartenschauen zu tun hatte – sehr angetan.

Was an den Plänen hat Sie denn besonders begeistert?

Ultsch: Erstens die Geschichte im Wörnitzpark: Der Damm, der hier entstanden ist, ist eine nachhaltige und aufwertende Maßnahme für die Stadt. Man hätte stattdessen auch Mauern bauen können, die die Stadt vor dem Wasser schützen. Durch die Gartenschau wurde dieses Vorhaben grüner und freundlicher gestaltet. Nun dient der Hochwasserschutz auch als Entspannungsort. Auch der Regionalpavillon, wo sich drei Landkreise zusammengeschlossen haben, begeisterte mich. Gerade weil das unter den Landkreisen meist nicht so üblich ist.

Der Verschluss der Bauschuttdeponie im Klingenweiherpark wäre ebenfalls eine Aufgabe gewesen, die die Stadt ansonsten alleine hätte stemmen müssen. Es wäre sowieso irgendwann angestanden, nun hat man zusätzlich die nötigen Fördermöglichkeiten erhalten und man konnte damit sogar ein Biotop schützen. Der spannendste Teil, und auch mein Steckenpferd, ist die Wiederbelebung der Altstadt. Dazu trägt der neue Regionalladen bei, aber auch die geplanten Veranstaltungen, die teils auch nicht nur auf den Geländen stattfinden.

Sie hatten also keine Bedenken vor Ihrer Wahl, wie sahen die Bürger Ihre positive Haltung zur Gartenschau?

Ultsch: Nein, ich habe mich eigentlich schnell mit der Gartenschau angefreundet. Ich habe schnell gemerkt, dass die Stimmung, als ich meinen Posten angetreten habe, in Bezug auf die Gartenschau, nicht besonders gut war. Schuld dafür war wohl, dass in dieser Planungsphase die Gewerbesteuer, die Grundsteuer erhöht wurden, die Wasserpreise ebenso. Die Bevölkerung hat das mit der Gartenschau in Verbindung gebracht und war dann natürlich nicht so begeistert, auch wenn diese Erhöhungen eigentlich ganz andere Gründe hatten.

Wie haben Sie und die Stadt die Bevölkerung denn für die Gartenschau nun begeistern können?

Ultsch: Ich habe auf meinen Veranstaltungen immer gesagt, dass wir uns jetzt nicht mehr überlegen müssen, ob wir die Gartenschau wollen oder nicht. Die Gartenschau kommt – doch jetzt haben wir die Chance sie so erfolgreich wie möglich zu machen.

Wassertrüdingen ist ja sehr ab vom Schuss, gerade verkehrstechnisch…

Ultsch: Ja…Mittlerweile sind wir ja aber so weit, dass wir eine Bahnverbindung, von Nürnberg, Gunzenhausen und Nördlingen aus, haben. Wenn auch im Augenblick nur an Wochenenden und Feiertagen beziehungsweise nur an Sonntagen aus Richtung Nördlingen. Das begeistert dementsprechend nicht nur uns von der Gartenschau, sondern beispielsweise auch die Bürgermeisterkollegen. Auch der OB Maly aus Nürnberg freute sich sehr über die Verbindung mit der Bahn und damit die Anbindung der Metropolregion an unsere Gartenschau.

Dr. Hammer: Gerade das mit der Zuganbindung ist so eine Sache, deren Konsequenzen erst einige Jahre später bemerkbar werden. Ohne die Gartenschau hätte man sich mit dem Thema Bahnreaktivierung vielleicht gar nicht mehr so intensiv befasst. In 5 Jahren, wenn diese Strecke wieder regelmäßig bedient wird, wird man sagen, dass die wichtigste Entscheidung für diese Entwicklung die Gartenschau war. Und das ist ein Schritt, der für eine Stadt exorbitant wichtig sein kann.

Sind die Wassertrüdinger mittlerweile begeistert von ihrer Gartenschau?

Ultsch: Die Stimmung gegenüber der Gartenschau hat sich schon letztes Jahr deutlich verbessert. Die Anwohner haben das jetzt verinnerlicht, dass jeder Besucher der kommt, zur Refinanzierung beiträgt. Aber auch die Beteiligten haben dazu beigetragen, dass die Gartenschau jetzt positiver dasteht. Wir haben mehr als 10.000 Personen, die sich hier an den 108 Tagen aktiv präsentieren. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Bewohner aus und schließlich bekommen sie von der Gartenschau auch einen Mehrwert – Naherholungsgebiete und Spielplätze beispielsweise. Das merkt man auch an den Baugebieten, früher war zum Beispiel kein Interesse an den Bauplätzen in der Nähe des Klingenweiherparks, nun sind mittlerweile alle Bauplätze vergeben.

Und was wünschen Sie sich noch für die Zukunft oder was sind die Pläne für die Zeit nach der Gartenschau?

Ultsch: Ich denke, dass es wichtig ist, dass das Thema Gartenschau noch mindestens die nächsten Jahre für die Stadt weiterleben muss. Ich würde mich freuen, wenn man es schafft, dass sich Landkreise, Städte und Gemeinden zusammenschließen und an einem Strang ziehen, um den Tourismus zu stärken. Ähnlich wie in Dinkelsbühl können wir es dann schaffen, – nachdem wir dann erstmal interessant sind und die Leute kommen – dass wir die Innenstädte wieder beleben.

Dr. Hammer: Ich glaube aber, dass man erst in 10 oder 15 Jahren sieht was für eine kluge Entscheidung es war, diese Aufgabe anzunehmen und zu meistern. Im Jahr der Gartenschau wird sich da erstmal gar nichts tun, da ist ja schließlich eh schon alles voller Leute und Veranstaltungen.
Ultsch: Genau. Das ist ein Prozess, der jetzt einige Jahre brauchen wird. Man muss dann aber auch vehement dranbleiben. Dann wird es aber eine nachhaltige Geschichte werden. Ich bin absolut zuversichtlich, dass die Gartenschau eine positive Entwicklung für Wassertrüdingen auslösen wird. Und vor allem auch für das Umland, besonders wenn man so gute Kollegen wie Herrn Hammer beispielsweise in Dinkelsbühl hat, die unterstützend zur Seite stehen.

Wie werden die Städte denn in Zukunft kooperieren?

Dr. Hammer: Wir machen ja schon sehr viele Sachen gemeinsam wie beispielsweise die Lehrstellenbörse. Das wird man auch weiterhin so tun. Die Zusammenarbeit wird genauso gut bleiben, wie sie auch jetzt schon ist und in der Vergangenheit war. Wir haben viele verbindende Elemente wie die Wörnitz, den Hesselberg oder das Limeseum Ruffenhofen. Wir sind auch gemeinsam im Mittelschulverbund.

Ultsch: Es war ja immer von Haus aus eine freundschaftliche Verbindung nach Dinkelsbühl. Ich sehe es daher genauso und bedanke mich auch für diese Zusammenarbeit. Klar ist, dass in Zukunft keiner alleine überleben kann. Man muss regionaler denken, dann profitieren auch alle davon.